Die richtige Ernährung bei Endometriose

Von Endometriose spricht man, wenn sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe ausserhalb der Gebärmutter oder in der Gebärmuttermuskulatur ansiedelt. Diese sogenannten Endometrioseherde können sich beispielsweise an den Eierstöcken, im Bauchraum oder an anderen Organen befinden.

Die genaue Ursache der Erkrankung ist bis heute nicht vollständig geklärt. Fest steht jedoch, dass die Endometrioseherde auf die hormonellen Schwankungen des Menstruationszyklus reagieren können. Dadurch können sie wachsen und entzündliche Prozesse auslösen.

Da die Endometrioseherde auf die Hormone des Zyklus reagieren, können sie sich verändern und Entzündungsprozesse auslösen. Diese Entzündungen gelten als eine wichtige Ursache für die typischen Schmerzen und Beschwerden bei Endometriose.

Die Symptome zeigen sich nicht nur während der Menstruation. Viele Betroffene leiden auch unter Schmerzen beim Geschlechtsverkehr, beim Wasserlassen oder Stuhlgang sowie unter chronischen Unterbauchschmerzen. Endometriose kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen und gehört zu den häufigsten gynäkologischen Erkrankungen bei Frauen im gebärfähigen Alter.

*körperfremde chemische Stoffe, die das Hormonsystem von Mensch und Tier stören. Sie können körpereigene Hormone nachahmen, blockieren oder deren Produktion und Abbau verändern.

 

Da Endometriose mit chronischen Entzündungsprozessen verbunden ist, kann eine entzündungshemmende Ernährung dazu beitragen, Beschwerden zu lindern. Sie ersetzt jedoch keine medizinische Behandlung.

Koffein und Alkohol

Bei diesen zwei Genussmitteln sollten Endometriose Betroffene vorsichtig sein. Ob Koffein die Beschwerden verstärkt, ist individuell unterschiedlich. Wer einen Zusammenhang zwischen Kaffee oder Energydrinks und den eigenen Symptomen bemerkt, kann versuchen, die Menge testweise zu reduzieren. Alkohol kann Entzündungsprozesse fördern und scheint bei vielen Betroffenen die Beschwerden zu verstärken. Es lohnt sich deshalb, den eigenen Konsum kritisch zu beobachten und möglichst gering zu halten oder ganz zu meiden.

Zucker

Dass ein hoher Zuckerkonsum unserer Gesundheit nicht guttut, ist inzwischen gut belegt. Doch weshalb spielt Zucker auch bei Endometriose eine Rolle?

Haushaltszucker liefert fast ausschliesslich Energie, enthält aber kaum Vitamine, Mineralstoffe oder Ballaststoffe. Wer regelmässig viele stark gezuckerte Lebensmittel konsumiert, nimmt dadurch häufig weniger nährstoffreiche Lebensmittel zu sich. Ausserdem kann eine dauerhaft zuckerreiche Ernährung Entzündungsprozesse im Körper fördern und sich ungünstig auf den Blutzucker und den Stoffwechsel auswirken.

Gerade bei Endometriose, einer chronisch entzündlichen Erkrankung, kann es deshalb sinnvoll sein, zugesetzten Zucker bewusst zu reduzieren. Das bedeutet nicht, dass Obst gemieden werden sollte. Im Gegenteil: Früchte liefern neben ihrem natürlichen Zucker auch Ballaststoffe, Vitamine, Mineralstoffe und zahlreiche antioxidative Pflanzenstoffe.

Viel wichtiger als ein vollständiger Verzicht auf Zucker ist eine insgesamt ausgewogene Ernährung mit möglichst wenig stark verarbeiteten Lebensmitteln und vielen frischen, nährstoffreichen Zutaten.

Histamin – nicht für jede Frau ein Thema

Immer wieder wird eine histaminarme Ernährung bei Endometriose empfohlen. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass Histamin an Entzündungsprozessen beteiligt sein könnte. Bisher konnte jedoch nicht nachgewiesen werden, dass eine histaminarme Ernährung die Beschwerden bei Endometriose generell verbessert.

Wer nach histaminreichen Lebensmitteln wie Rotwein, Tomaten, Avocado, Spinat, Aubergine, Sauerkraut, gereiftem Käse, geräucherten Fleischprodukten wie Bratwurst, Cervelat, Aufschnitt etc. regelmässig stärkere Beschwerden bemerkt, kann gemeinsam mit einer Fachperson prüfen, ob eine zeitlich begrenzte histaminarme Ernährung sinnvoll ist. Eine dauerhafte Einschränkung ohne klaren Grund ist jedoch nicht empfehlenswert.

Gluten - versuchsweise reduzieren

Viele Frauen mit Endometriose fragen sich, ob sie Gluten meiden sollten. Nach aktuellem Stand der Forschung gibt es jedoch keine ausreichenden Belege dafür, dass eine glutenfreie Ernährung die Beschwerden bei Endometriose grundsätzlich verbessert. Einzelne Betroffene berichten zwar von einer Besserung, die Studienlage ist dafür aber insgesamt noch zu schwach und uneinheitlich. Sinnvoll kann ein glutenfreier Versuch vor allem dann sein, wenn zusätzlich eine Zöliakie, eine Weizensensitivität oder ausgeprägte Magen-Darm-Beschwerden bestehen. In solchen Fällen sollte die Umstellung idealerweise fachlich begleitet werden. Hier muss sehr individuell gearbeitet werden.

Gute Quellen für die “Entzündungshemmende-Ernährung”

Industrieller Zucker, Gebäck, Fast Food, stark verarbeitete Fertigprodukte sowie ein hoher Konsum von Fleisch und Wurstwaren gehören nicht zu einer entzündungshemmenden Ernährung.

Nachfolgend findest du eine Übersicht über Nährstoffe, die den Körper bei Endometriose unterstützen können. Da jede Frau und jede Endometriose-Erkrankung individuell ist, empfiehlt es sich, Ernährungsumstellungen und eine mögliche Supplementierung nicht in Eigenregie, sondern in Begleitung einer qualifizierten Fachperson vorzunehmen. So lassen sich unnötig restriktive Diäten vermeiden und das Risiko für Nährstoffmängel reduzieren.

Gerade bei Nahrungsergänzungsmitteln ist eine individuelle Betrachtung besonders wichtig. Nicht jede Frau profitiert von denselben Nährstoffen, und eine gezielte Supplementierung sollte idealerweise auf den persönlichen Beschwerden, den Ernährungsgewohnheiten sowie – sofern sinnvoll – auf Laborwerten basieren.

Omega-3-Fettsäuren → wirken entzündungshemmend und können Entzündungsprozesse im Körper positiv beeinflussen. Gute Quellen sind fetter Seefisch, Leinsamen*, Chiasamen, Walnüsse sowie Algenöl- oder Fischölpräparate.

Ballaststoffe → unterstützen eine gesunde Darmfunktion und können den Östrogenstoffwechsel günstig beeinflussen. Sie finden sich unter anderem in Leinsamen*, Gemüse, Kartoffeln, Hafer und Vollkornprodukten.

Vitamin D → vor einer Supplementierung sollte der Vitamin-D-Status mittels Laboranalyse bestimmt werden. Ein nachgewiesener Mangel sollte gezielt ausgeglichen werden.

Magnesium → spielt eine wichtige Rolle für die Muskel- und Nervenfunktion. Viele Frauen empfinden eine ausreichende Magnesiumversorgung als unterstützend bei Menstruationskrämpfen.

Eisen → ist insbesondere bei starken Menstruationsblutungen von Bedeutung. Ein Eisenmangel sollte ärztlich abgeklärt und bei Bedarf behandelt werden.

Zink → unterstützt das Immunsystem und ist an der Wundheilung sowie zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt.

Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E und Polyphenole → können dazu beitragen, oxidativen Stress zu reduzieren. Gute Quellen sind Obst, Gemüse, Nüsse, Samen sowie Kräuter und Gewürze.

*Gut zu wissen: Leinsamen werden idealerweise als ganze Samen gekauft und erst kurz vor dem Verzehr frisch geschrotet. Durch das Schroten wird die harte Samenschale aufgebrochen, wodurch die enthaltenen Nährstoffe – insbesondere die Omega-3-Fettsäure Alpha-Linolensäure (ALA), Ballaststoffe und Lignane – für den Körper besser verfügbar werden. Gleichzeitig sind frisch geschrotete Leinsamen weniger anfällig für Oxidation als bereits gemahlene Produkte und behalten ihre wertvollen Fettsäuren länger. Nach dem Schroten sollten sie möglichst zeitnah verzehrt oder gut verschlossen im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Als Expertin für ganzheitliche Frauengesundheit und Ernährungsberatung begleite ich Frauen dabei, ihre Ernährung individuell auf ihre Bedürfnisse und Beschwerden abzustimmen. Gemeinsam schauen wir, welche Massnahmen sinnvoll sind, worauf besonders geachtet werden sollte und ob eine gezielte Supplementierung überhaupt notwendig ist.

Next
Next

Fallzahlen von Endometriose - die Dunkelziffer